Architektur
Warum jeder Mechanismus eine Quelle hat
Aussagen über autistische Neurologie sind nur dann nachprüfbar, wenn die Quelle direkt verlinkt ist. Ohne Verlinkung bleibt jede Aussage eine Behauptung. Mit Verlinkung wird sie ein Anker, den jede Leserin und jeder Leser bis zur Originalstudie zurückverfolgen kann.
Aus dieser Beobachtung ist eine strukturelle Änderung an Autistic Mirror entstanden. Blogartikel, die einen Mechanismus behandeln, enden mit einem aufklappbaren Block „Quellen“. Wenn für den Mechanismus eine validierte Originalpublikation existiert, ist sie dort verlinkt, mit Autorinnen und Autoren, Jahr und DOI.
Wie der Quellen-Block entsteht
Hinter dem Block steht ein kuratiertes Lexikon im Code der Plattform. Jede Quelle durchläuft drei Prüfungen, bevor sie aufgenommen wird. Erstens: die Publikation, die den Mechanismus beschreibt, muss benannt sein, wenn möglich die Erstbeschreibung. Zweitens: der DOI muss auflösen und auf genau diese Publikation zeigen, erschienen bei einem wissenschaftlichen Verlag mit Begutachtung. Drittens: der Abstract der Quelle muss die Aussage decken, die im Artikel zitiert wird. Erst wenn alle drei Prüfungen bestanden sind, bekommt der Eintrag diese Quelle.
Aktueller Stand: 97 Einträge. 89 davon tragen eine begutachtete Quelle. Sie decken die Mechanismen ab, die in der App und im Blog am häufigsten vorkommen, etwa Monotropismus, Predictive Coding, Maskierung, autistisches Burnout, Double Empathy, Interozeption, Time Blindness und die polyvagale Theorie. Dazu kommen Begleitdiagnosen mit eigenständiger Ursache wie EDS, POTS, Epilepsie und Tourette sowie die intersektionalen Achsen, für die belastbare Studien vorliegen.
Acht Einträge tragen bewusst keine Quelle. Es sind Begriffe aus der autistischen Community, etwa Reizfilter-Erschöpfung, Spoon Theory oder Restraint Collapse, für die es keine begutachtete Erstbeschreibung gibt. Sie stehen im Lexikon, weil viele Menschen sie benutzen, und sind dort als Community-Begriff gekennzeichnet. Eine erfundene Quelle bekommen sie nicht.
Was bewusst nicht passiert
Es gibt keine KI-generierten Quellen. Es gibt keine Sekundärzitate nach dem Muster "zitiert nach". Es gibt keine Inhalts-Zusammenfassungen, die nachträglich mit einem plausibel klingenden DOI versehen werden. Wenn für eine Aussage kein validierter Lexikon-Eintrag existiert, bleibt die Stelle quellenfrei. Die Aussage darf dann nur in generischer Form stehen ("Forschung zum Locus Coeruleus zeigt ...") oder gar nicht.
Diese Regel ist hart, weil sie die einzige ist, die Drift verhindert. Sobald eine einzige Aussage einen erfundenen DOI trägt, ist der Anker beschädigt für alle anderen.
Wo der Block sichtbar ist
Der Quellen-Block steht am Ende des Artikels, in der deutschen und in der englischen Fassung. Dieselbe Datenstruktur speist den Quellen-Hinweis im persönlichen Glossar der App. Die Antworten im Chat selbst enthalten keine Zitate. Wenn die App einen Fachbegriff erklärt und der Begriff im Lexikon steht, trägt derselbe Eintrag ihn mit derselben validierten Quelle in das Glossar.
Die Pflege geschieht in klar abgegrenzten Wellen. Jede Welle prüft eine geschlossene Gruppe von Mechanismen, dokumentiert pro Eintrag die drei Prüfschritte und schreibt das Ergebnis als Codeänderung fest. Einträge werden nicht still nachgeschoben. Neue Quellen entstehen nur über eine neue Welle, nie über eine Einzeländerung am Blog. Zusätzlich gleicht ein Prüfwerkzeug jede DOI im Lexikon mit dem Register Crossref ab: ob sie existiert, ob Erstautorin oder Erstautor und Jahr zur Angabe passen und ob die Arbeit zurückgezogen wurde.
Was bleibt
Nachvollziehbarkeit ist keine Geste. Sie ist eine prüfbare Eigenschaft der Plattform. Wer einen Mechanismus auf Autistic Mirror liest, kann den Weg von der Aussage bis zur Originalstudie in zwei Klicks gehen. Wer keine Quelle findet, weiß, dass an dieser Stelle bewusst keine versprochen wurde. Beides ist Teil derselben Disziplin.
Autistic Mirror ist ein KI-Chat, der autistische Neurologie individuell und auf die jeweilige Situation bezogen erklärt. Mechanismus statt Ratschlag. Erklärung statt Korrektur. Die App ist kein Medizinprodukt und ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Behandlung.